Titan: ein ehemals bioverträglicher Werkstoff

Posted on 11. Juni 2008. Filed under: Metallfreier Zahnersatz, Umwelt-ZahnMedizin | Tags: , , , |

Lange galt – und gilt bei vielen immer noch – Titan als absolut körperverträglich. Doch neue Forschungsergebnisse beweisen, dass auch das bislang unverdächtige Titan zu inflammatorischen, systemischen und lokalen Intoleranzreaktionen führen kann. Nach Meinung der Internationalen Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin sind umfangreiche, interdisziplinäre Diagnoseverfahren notwendig, um eine mögliche Titanunverträglichkeit aufzuspüren.
Heutzutage gelten Sensibilitäts- oder Unverträglichkeitsreaktionen auf bestimmte Schadstoffe, Umweltbelastungen oder andere Reize nicht mehr als Seltenheit – immerhin sind rund 40 Prozent der Bevölkerung betroffen und dadurch in ihrer Gesundheit und Lebensqualität eingeschränkt. Die Patienten klagen über eine Vielzahl von unspezifischen Symptomen wie geistiger oder physischer Erschöpfung, Hautrötungen, Atembeschwerden oder regionale beziehungsweise lokale Schmerzen. Die Krankheitsursachen können vielfältiger Natur sein, so kommen beispielsweise chronische Stoffwechselstörungen, Infektionskrankheiten wie Borreliose oder Autoimmunerkrankungen in Betracht. Auf der anderen Seite sind fortwährende „Vergiftungen“ durch Schadstoffbelastungen aus dem Wohnumfeld, Dentalmaterialien oder diverse Genussmittel zu nennen.
Eine intensive (zahn-)medizinische Diagnostik ist dann notwendig und Umwelt-ZahnMediziner, Zahnärzte und andere Fachärzte sollten interdisziplinäre zusammenarbeiten – zum Wohle des Patienten.

Titan – ein beliebter Werkstoff

Titan ist ein beliebter Werkstoff für zahnmedizinische Implantate und orthopädischen Gelenkersatz, da es als äußerst korrosionsfest gilt. Dies hat es seiner stabilen Deckschicht (Titanoxid) zu verdanken, die sich nach Kontakt mit Luft, Wasser oder auch Körperflüssigkeiten rasch bildet. Das Metall wird so vor jeglichen Einflüssen geschützt, gleichzeitig gibt es keine freien Metallionen an seine Außenwelt ab – die für eine Allergie notwendigen Ionen stehen also nicht zur Verfügung.
Titanunverträglichkeiten möglich
Entgegen den bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen können Menschen dennoch sensibel auf Titanimplantate reagieren. Die Unverträglichkeitsreaktionen rühren dabei allerdings nicht direkt vom Metall her, sondern werden durch NEM-Legierungen hervorgerufen. Sehr häufig sind Titanimplantate in der Zahnmedizin nämlich mit Nicht-Edelmetallen wie Nickel, Vanadium oder Aluminium legiert. Hier können sehr wohl freie Metallionen zu entsprechenden Intoleranzen führen.
Darüber hinaus reagieren manche Patienten überempfindlich auf Titanoxid-Partikel, wie Wissenschaftler der Charite Berlin jüngst herausfanden. Die Partikel werden von Entzündungszellen des Körpers (vor allem Monozyten, Makrophagen) aufgenommen und verursachen – bei entsprechender Disposition – eine überschießende Immunantwort.
Bei Verdacht auf eine Titanintoleranz sollte der Mediziner verschiedene Labortests (Lymphozyten¬transformations¬test, Zytokintest, Titanstimulationstest) durchführen. Stellt sich hier eine Überempfindlichkeit heraus, so ist das Leichtmetall vom (Zahn-)Arzt zu entfernen. Erst dann kann mit einer Besserung der Symptome gerechnet werden.
Zusammenarbeit von Umwelt-ZahnMedizinern und anderen (Fach-)Ärzten
Gerade bei der Behandlung von Patienten mit (chronischen) diffusen Beschwerden ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Medizinern verschiedener Fachrichtungen notwendig. Nur gemeinsam können sie die umfangreiche (Ausschluss-)Diagnostik vornehmen, nach und nach die „wahren“ Krankheitsursachen ermitteln und ein entsprechendes Therapiekonzept entwickeln. Bei solch komplizierten Diagnoseverfahren sind die Kenntnisse und Erfahrungen von Umwelt-ZahnMedizinern unerlässlich. Sie haben das notwendige Spezialwissen über Einflüsse von Zahnersatzmaterialien auf den Organismus und kennen sich mit umweltmedizinischer Anamnese, Laboranalytik und Therapie bestens aus. Außerdem betrachten sie den Menschen ganzheitlich und sehen ihn als das, was er ist: als ein hochkomplexes System.

2 Responses to “Titan: ein ehemals bioverträglicher Werkstoff”

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Kann diese Erkentnis nicht auch später für Zirkonoxid gelten?

Ihre Ansicht bez. der Titan-Unverträglichkeiten kann ich als Umwelt-Zahnmediziner und als Vorstandmitglied der Gesellschaft für ganzheitliche ZahnMedizin (GZM) nur bestätigen.

Ihre Frage, ob diese Erkenntnisse nicht auch später für Zirkondioxid gelten können, ist imminent wichtig.Wir haben uns in unseren wissenschaftlichen Grermien mit Umweltmedizinern und Laborärzten intensiv auseinandergesetzt. Bisher gibt es keine Hinweise von Unverträglichkeiten bez. Zirkondioxid. Dennoch suchen wir bei Zahnersatz immer nur nach der Lösung mit dem geringsten Übel. Die Lösung ohne Übel wären die gesunden Zähne. Demensprechend ist die frühzeitige Prophylaxe von ausschlaggebender Bedeutung.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang H. Koch
Dr. med. dent.


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