Die Untrennbarkeit von Kiefer und Körper

Posted on 25. Juni 2008. Filed under: Umwelt-ZahnMedizin | Tags: |

Kraniomandibuläre Dysfunktionen sind ganzheitlich zu behandeln – Tipps für Diagnose und Therapie

Rund vier Millionen Deutsche leiden an Schmerzen, die von Störungen des Kauorgans herrühren. Die Betroffenen leiden an Migräne, Tinnitus, Schwindelattacken oder anderen Beschwerden – und wissen nicht warum. Die Ursachen liegen häufig in einem gestörten Wechselspiel von Kiefer und Körper. Um solch unspezifischen Symptomen auf die Spur zu kommen, sind eine ganzheitliche Diagnose und Therapie notwendig.

Die Praxis zeigt es stets aufs Neue: Kraniomandibuläre Dysfunktionen und Körperfehlhaltungen beeinflussen sich wechselseitig. So können die Ursachen der Kauorgan-Störungen von fortdauernden Körperfehlhaltungen herrühren, aber auch genetisch, neurologisch oder psychisch bedingt sein beziehungsweise durch nicht passgenauen Zahnersatz hervorgerufen werden. Umgekehrt wirken sich ein falscher Biss oder Zähneknirschen nicht nur in Form von eventuellen Kiefergelenkbeschwerden aus, sondern können über eine komplexe Wirkkette sowohl funktional als auch neuromuskulär Einfluss nehmen auf den gesamten Stütz- und Bewegungsapparat. Massive Muskelverspannungen im Kopf-, Nacken- und Rückenbereich, Migräne, Tinnitus, aber auch Schwindelattacken und plötzlich einschießende Gesichtsschmerzen sind nur einige der möglichen Symptome. Bis die wahren Ursachen dieser Beschwerden, nämlich die Dysfunktion des Kauorgans, erkannt werden, hat der Patienten meist schon eine lange „Behandlungskarriere“ hinter sich. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachärzte ist dann notwendig.

GZM – ganzheitliche Sicht auf das System „Mensch“

Die Internationale Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin (GZM) verfolgt diesen interdisziplinären Ansatz. Für sie ist zum Wohle des Patienten ein systemisches Denken, Entscheiden und Handeln unabdingbar. Dr. Wolfgang Koch, Zweiter Vorsitzender der GZM: „Man sollte die Quantität der komplexen Erkrankungen innerhalb der Bevölkerung nicht unterschätzen. Immerhin leiden knapp fünf Prozent der Deutschen an Schmerzen, die durch Dysfunktionen des Kauorgans hervorgerufen werden. Und 40 Prozent sind durch Allergien oder Umweltbelastungen, zum Beispiel durch nicht biokompatible Dentalmaterialien, in ihrer Gesundheit und Lebensqualität eingeschränkt. Bei der Behandlung von ‚schwierigen Fällen’ sind also alle Mediziner und Fachkräfte gleichermaßen gefragt.“

Von der Diagnose von Störungen des Kauorgans und Körperfehlhaltungen …

Da das System „Mensch“ und die gegenseitigen Wechselwirkungen von Kauorgan und Körper so komplex sind, fehlen für die Behandlung kraniomandibulärer Dysfunktionen und Körperfehlhaltungen bisher eindeutige abgrenzbare Krankheitsbilder und Diagnosen. Dennoch kann über die vollständige Auflistung von bestehenden Symptomen, Befunden und chronischen Belastungen im GESAMTEN System eine „Problemliste“ zusammengefasst werden. Hierfür sind nicht nur Untersuchungen eines Kieferorthopäden/Zahnarztes notwendig, sondern die eines fachübergreifenden Experten-Netzwerkes, bestehend aus Orthopäden, Umwelt-ZahnMedizinern, Osteopathen, Physiotherapeuten, Psychologen und anderen Fachkräften der Heilberufe. Mithilfe einer umfassenden Anamnese werden die Probleme bewertet und ein ganzheitlicher Behandlungsplan aufgestellt.

… zur Behandlungsplanung und …

Symptome, Befunde und chronische Belastungen des biologischen Systems „Mensch“ treten nicht in willkürlichen Kombinationen auf, sondern immer in ganz bestimmten Kombinationsmustern. In alten Medizinsystems wie der Traditionellen Chinesischen Medizin, dem indischen Ayurveda oder der europäischen Homöopathie ist diese typische Reaktionsweise bekannt und hat entsprechende diagnostische und therapeutische Konsequenzen. Für die weitere Behandlungsplanung und Therapie ist das Einbeziehen verschiedener Therapeuten daher durchaus sinnvoll.
Aber auch ohne die Anwendung dieser Medizinsysteme können die Probleme folgerichtig bewertet werden. Hierzu werden die Einzelprobleme zunächst ihrer Bedeutung nach hierarchisiert. Dabei ist das Hauptanliegen des Patienten, nämlich seine subjektiven Beschwerden, prioritär zu behandeln (s. u.). Weitere wichtige Hierarchisierungskriterien sind chronische Störfaktoren, und zwar die größten und schwerwiegendsten Belastungen zuerst.
Nach der Hierarchisierung der Einzelprobleme planen die Experten die weitere Behandlung. Für jedes Einzelproblem soll zunächst eine therapeutische Lösung gefunden werden, die in einer sinnvollen Kombination eingebettet wird. Auch die eigentliche Therapie sollte wie zuvor von einem Team an Fachärzten durchgeführt werden.

… Therapie

Zunächst sind alle chronischen Störfaktoren zu beseitigen. Mechanisch hervorgerufene Dysfunktionen und Dysmorphien des Kauorgans können kieferorthopädisch, osteopathisch oder physiotherapeutisch behandelt werden. Chemische Belastungen wie nicht verträgliche zahnärztliche Werkstoffe sind zu eliminieren. Psycho-emotionale und psycho-soziale Belastungen, die sich zum Beispiel in Zähneknirschen äußern können, lassen sich durch psychologische Beratung und entsprechende Trainingsprogramme behandeln. Neurologische Störungen können oftmals mit Akupunktur oder Neuraltherapie behandelt werden.
Nachdem die chronischen Störfaktoren eliminiert wurden, können sich die belasteten Teilsysteme oft von selbst regenerieren – vor allem, wenn durch autoregulative Methoden unterstützend und stimulierend eingegriffen wird. Haben sich jedoch die Symptome derart manifestiert, dass es nicht zur autoregulativen Heilung kommt, müssen weitere (fachübergreifende) Behandlungsmaßnahmen angewendet werden.

Liked it here?
Why not try sites on the blogroll...